Prüfungsangst mit Blick auf die Biographie
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Prüfungsangst erst mit dem Betreten des Prüfungsraums oder dem Öffnen der Klausurdatei beginnt. Wer unter massiven Blockaden leidet, erinnert sich bisweilen an traumatisierende Ereignisse, die tief in der Biografie verwurzelt sind.
Die Ursachen von Prüfungsangst lassen sich wie folgt differenzieren:
Biografisch-emotional Verknüpfungen
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Eine fehlende elterliche Anerkennung kann zu innerer Ablehnung des Studienfachs und damit zu Lernvermeidungsverhalten führen, das oberflächlich als Disziplinlosigkeit missverstanden wird. Tatsächlich manifestiert sich die Prüfungsangst dann als Ausdruck eines tieferliegenden Bedürfnisses nach elterlicher Wertschätzung.
Kognitive Defizite und fehlende Lernstrategien
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Unzureichende Arbeitstechniken und dadurch bedingte erhebliche Wissenslücken erzeugen eine reale Angst vor dem Nichtbestehen.
Soziale Bewertungsangst
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Es besteht eine Angst vor negativer Fremdattribuierung in Gruppen, etwa in Seminargruppen. Die Prüfungsangst ist hier eng mit sozialer Phobie und Schamgefühlen verknüpft.
Traumatische Erfahrungen
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Ein frühkindliches Verlusttrauma kann unter anderem die Prüfungsleistungen negativ beeinflussen.
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Die sich später manifestierende Angst ist dann nicht primär prüfungsbezogen, sondern wird durch frühere emotionale Verletzungen hervorgerufen.
Prüfungsangst als Grenzsituation
Im Gegensatz zu anderen Ängsten ist die Prüfungsangst existenziell bedeutsam:
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Die Wiederholungsmöglichkeiten von Prüfungen sind begrenzt.
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Das mehrfache Nichtbestehen kann die gesamte Studienlaufbahn und damit die gesamte Lebensplanung infrage stellen. Ein professionelles Coaching berücksichtigt daher auch Alternativen für die Situation, dass die letzten Prüfungsversuche scheitern.
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Oft ist Prüfungsangst mit Zukunftsängsten verbunden, weil mit dem Studienabschluss die Verantwortung für das eigene Leben drastisch steigt und stärker bewusst wird: Mit dem Wechsel ins Berufsleben sind viele Entscheidungen nötig, die überfordern können. Ein solcher Übergang geht einher mit dem Verlust von Freiheit, die unwiderruflich eingetauscht wird gegen die Eigenverantwortung im Beruf und später für eine eigene Familie.
